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V wie Vendetta

  • Autorenbild: Steve Melmer
    Steve Melmer
  • 9. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Intro

V for Vendetta von Alan Moore und David Lloyd ist kein klassischer Comic, sondern ein Statement. Ein Werk, das nicht einfach eine Geschichte erzählt, sondern ein System seziert. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass hier keine Heldenreise im üblichen Sinne stattfindet. Stattdessen bekommst du eine kalte, kontrollierte Welt präsentiert, in der Angst das Fundament der Ordnung ist. Das Buch fühlt sich nicht wie Unterhaltung an, sondern wie ein Blick hinter die Fassade einer Gesellschaft, die sich selbst verkauft hat: für Sicherheit, Stabilität und Kontrolle.



Plot und Atmosphäre

Die Handlung spielt in einem totalitären England nach einem nuklearen Krieg. Ein faschistisches Regime hat sich etabliert und regiert mit eiserner Hand über jede Facette des Lebens. In dieser Welt taucht V auf – eine Figur, die mehr Idee als Mensch ist. Er ist Terrorist, Freiheitskämpfer, Philosoph und Wahnsinniger zugleich. Seine Mission ist klar: das System zerstören. Doch der Weg dahin ist nicht sauber, nicht gerecht und schon gar nicht moralisch eindeutig.

Die Atmosphäre ist durchgehend bedrückend. Es gibt kaum Licht, kaum Hoffnung, nur Kontrolle, Überwachung und Angst. Gleichzeitig entsteht eine seltsame Faszination, weil V selbst diese Dunkelheit mit einer fast theatralischen Eleganz durchbricht. Seine Aktionen wirken wie Inszenierungen, fast wie Kunstwerke aus Chaos und Zerstörung. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen Unterdrückung und Befreiung, die sich durch das ganze Werk zieht.


- Plot und Atmosphäre -

4,5/5

- Inhaltliche Tiefe -

5/5


Stil und Präsentation

Visuell ist das Ganze bewusst reduziert. David Lloyd setzt auf dunkle, erdige Farben, viel Schatten und eine zurückhaltende Dynamik. Es gibt keine übertriebene Action, keine spektakulären Splash-Pages im typischen Superheldenstil. Stattdessen wirkt alles kontrolliert, fast statisch, was perfekt zur Welt passt, die dargestellt wird.

Die ikonische Guy-Fawkes-Maske ist dabei das zentrale visuelle Element. Sie ist simpel, aber extrem wirkungsvoll. Ein starres Lächeln, das gleichzeitig beruhigend und verstörend wirkt. Dieses Design trägt einen großen Teil der Wirkung des Comics, weil es V entmenschlicht und ihn zu einem Symbol macht.

Auch erzählerisch ist der Stil ungewöhnlich. Es wird viel mit parallelen Handlungssträngen gearbeitet, Perspektiven wechseln ständig, und oft erfährst du Dinge nur indirekt. Das fordert Aufmerksamkeit, belohnt aber mit Tiefe.


- Visuelle Umsetzung -

4/5

- Originalität und kreative Ansätze -

5/5


Politische Aspekte

Hier liegt der eigentliche Kern des Werkes. Alan Moore schreibt keinen neutralen Comic, sondern eine klare politische Aussage. Es geht um Macht, Kontrolle, Propaganda und die Frage, wie viel Freiheit Menschen bereit sind aufzugeben, um sich sicher zu fühlen.

Das Regime im Comic basiert stark auf faschistischen Strukturen, kombiniert mit totaler Überwachung. Medien werden kontrolliert, Geschichte wird umgeschrieben, Angst wird gezielt eingesetzt. Gleichzeitig zeigt das Werk aber auch, dass solche Systeme nicht aus dem Nichts entstehen. Sie wachsen aus Krisen, aus Angst und aus dem Wunsch nach Ordnung.

Interessant ist, dass der Comic keine einfache Lösung anbietet. V selbst ist kein „guter“ Held. Er nutzt Gewalt, Manipulation und Terror. Die Frage ist nicht, ob er moralisch richtig handelt, sondern ob das System, gegen das er kämpft, überhaupt anders gestürzt werden kann.



Psychologische Tiefe

Die Figuren sind kein Beiwerk, sondern tragen die eigentliche emotionale Last der Geschichte. Besonders Evey ist entscheidend, weil sie die Entwicklung vom Opfer zur eigenständigen Persönlichkeit durchläuft. Ihre Transformation ist brutal, fast schon traumatisch, aber genau dadurch glaubwürdig.

V selbst bleibt bewusst schwer greifbar. Man bekommt Einblicke in seine Vergangenheit, aber nie genug, um ihn vollständig zu verstehen. Das macht ihn gleichzeitig faszinierend und beunruhigend. Er ist weniger Mensch als Idee und genau das ist auch die Aussage des Comics.

Auch die Nebenfiguren, selbst die Vertreter des Regimes, werden nicht einfach als eindimensionale Bösewichte dargestellt. Viele von ihnen sind gebrochene Menschen, Produkte eines Systems, das sie selbst mit aufgebaut haben. Das gibt dem Ganzen eine unangenehme Realitätsnähe



Einfluss auf die Popkultur

Der Einfluss dieses Werks ist enorm. Die Guy-Fawkes-Maske wurde durch V for Vendetta und reale Protestbewegungen weltweit zu einem Symbol für Widerstand gegen Machtstrukturen. Gruppen wie Anonymous haben dieses Bild übernommen und damit eine direkte Verbindung zwischen Fiktion und Realität geschaffen.

Kaum ein Comic hat es geschafft, so stark in politische und gesellschaftliche Bewegungen einzuwirken. Das zeigt, dass die Themen nicht nur relevant sind, sondern einen Nerv getroffen haben, der bis heute nicht verschwunden ist.


Kritik

So stark das Werk ist, es ist nicht perfekt. Der größte Kritikpunkt ist gleichzeitig Teil seiner Stärke: die Radikalität. Der Comic verlangt viel vom Leser. Er ist komplex, düster und teilweise schwer zugänglich. Wer eine klare Heldenfigur oder einfache moralische Antworten erwartet, wird hier eher frustriert.

Auch die Darstellung von V kann problematisch wirken. Seine Methoden sind extrem, und nicht jeder wird bereit sein, ihn als notwendiges Übel zu akzeptieren. Manche Passagen wirken fast schon wie eine Rechtfertigung von Terror auch wenn das vermutlich nicht die eigentliche Intention ist, sondern eher eine bewusste Provokation.

Zudem ist der Erzählfluss stellenweise fragmentiert. Die vielen Perspektivwechsel können verwirren und bremsen das Tempo.


- Struktur und Gesamtaufbau-

4,5/5


FAZIT

„V wie Vendetta“ ist kein Comic, den man einfach liest und wieder weglegt. Es ist ein Werk, das hängen bleibt, weil es Fragen stellt, die unbequem sind. Es zwingt dich dazu, über Freiheit, Macht und Verantwortung nachzudenken ohne dir einfache Antworten zu geben.

Wenn du auf düstere, tiefgehende und politisch aufgeladene Geschichten stehst, ist das hier Pflicht. Aber man muss ehrlich sagen: Das ist nichts für nebenbei. Das ist ein Comic, der dich fordert, manchmal auch nervt, aber genau dadurch seine Wirkung entfaltet.

Unterm Strich: ein harter, kompromissloser Klassiker, der seinen Status absolut verdient hat.


-Insgesamt-

4,6/5

TITELBLATT (Front-Cover)

RÜCKSEITE (Back-Cover)

INNENSEITE (Inner-Page)







Positiv

Negativ

Ikonische Symbolik

Schwer zugänglich

Dichte Atmosphäre

Fragmentierte Erzählweise

Politische Schärfe


Psychologische Entwicklung


Unbequeme Ehrlichkeit


SPEZIFIKATIONEN

Produktart:

Comic

Titel:

V wie Vendetta

Originaltitel:

V for Vendetta

Heftnummer:

#0

Edition:

Normale Edition

Sprache(n):

Deutsch

Verlag:

Panini

Auflage:

  1. Auflage

Erscheinungsdatum:

14/10/2025

ISBN / GTIN:

978-374-164-601-0

Herkunftsland:

Deutschland

Altersfreigabe:

FSK 16

Seitenzahl:

292

Einband:

Softcover

Bindung:

Klebebindung

Format:

17x26 cm

Abbildungen:

farbe

Autor und Zeichner:

Alan Moore, David Lloyd


Link zum Comic




Dieser Artikel wurde von Wulfrik’s Reviews in Luxemburg veröffentlicht.

Der Autor ist Melmer Steve, und die Informationen stammen von Panini Comics Deutschland.

Die Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt von Panini Comics Deutschland.


Der Text ist unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 DEED verfügbar. Nutzungsrechte können über luxorr a.s.b.l. (Luxembourg Organisation For Reproduction Rights) unter https://www.luxorr.lu/ bezogen werden.


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