top of page

Wolverine: Old Man Logan

  • Autorenbild: Steve Melmer
    Steve Melmer
  • 23. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Intro

„Old Man Logan“ ist kein typischer Wolverine Comic und auch kein klassischer Superheldenstoff. Die Geschichte ist von Anfang an als Gegenentwurf zum üblichen Marvel Narrativ gedacht. Statt Aufbruch, Hoffnung oder moralischer Klarheit dominiert Verfall, Resignation und Schuld. Der Comic richtet sich klar an ein erwachsenes Publikum, nicht wegen expliziter Gewalt allein, sondern wegen seiner pessimistischen Weltsicht. Er fragt nicht, wie Helden die Welt retten, sondern was von ihnen übrig bleibt, wenn sie versagt haben oder glauben, versagt zu haben.


Plot und Atmosphäre

Die Handlung spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die Superschurken gewonnen haben. Die Welt ist territorial aufgeteilt, Gesetze existieren nur noch als Farce, Gewalt ist Alltag. Logan lebt zurückgezogen, körperlich gealtert und innerlich gebrochen. Er hat geschworen, nie wieder seine Krallen auszufahren. Die eigentliche Geschichte ist eine Reise durch dieses zerstörte Amerika, weniger ein klassischer Plot mit Wendungen als eine Abfolge von Konfrontationen mit dem, was aus der Welt geworden ist. Die Atmosphäre ist durchgehend bedrückend. Staub, Leere und Hoffnungslosigkeit prägen jede Szene. Es gibt kaum humorvolle oder auflockernde Momente, und wenn doch, wirken sie bitter oder zynisch. Gewalt ist nicht heroisch, sondern schmerzhaft, oft sinnlos und unerquicklich. Genau das verleiht dem Comic Glaubwürdigkeit. Die Welt fühlt sich nicht wie ein „Cooles Endzeit-Setting“ an, sondern wie ein Ort, an dem man nicht leben möchte.

- Plot und Atmosphäre -

5/5

- Inhaltliche Tiefe -

4/5


Stil und Präsentation

Steve McNivens Zeichenstil ist realistisch, grob und bewusst unschön. Körper sind gezeichnet von Alter, Narben und Müdigkeit. Gesichter tragen emotionale Last, nicht Glätte. Landschaften wirken leer, kalt und feindlich. Die Bildsprache unterstützt die Geschichte konsequent, ohne sich in Effekten zu verlieren. Panels lassen Raum für Stille, was der Geschichte gut tut. Mark Millars Schreibstil ist direkt, teilweise provokant. Dialoge sind funktional, manchmal hart an der Grenze zur Vereinfachung, aber selten unnötig. Millar verzichtet auf komplexe sprachliche Spielereien und setzt stattdessen auf klare Aussagen und starke Bilder. Das ist effektiv, aber nicht immer subtil. Der Comic will wirken, nicht philosophieren.

- Visuelle Umsetzung -

5/5

- Originalität und kreative Ansätze -

4/5


Psychologie


Der zentrale psychologische Anker ist Logan selbst. Dieser Wolverine ist kein Antiheld im klassischen Sinne, sondern ein traumatisierter Mann, der sich selbst misstraut. Schuld ist das dominierende Motiv. Logans Weigerung zu kämpfen ist keine moralische Überlegenheit, sondern Angst vor dem, was er getan hat oder tun könnte. Gewalt bedeutet Kontrollverlust. Diese innere Zerrissenheit ist glaubwürdig und konsequent dargestellt. Logan ist müde, resigniert und emotional abgestumpft. Hoffnung existiert nur in kleinen Momenten und wirkt fragil. Andere Figuren dienen meist als Spiegel oder Kontrast zu Logans Zustand, bleiben aber psychologisch oft unterentwickelt. Das ist eine bewusste Entscheidung, rückt aber alles sehr stark auf eine einzige Perspektive zusammen.


Kritik

Die größte Schwäche des Comics liegt in seiner Weltzeichnung. Das Szenario ist interessant, aber nicht tief ausgearbeitet. Die Herrschaft der Schurken wird als Fakt gesetzt, nicht als System erklärt. Politische, soziale oder ökonomische Zusammenhänge bleiben vage. Die Welt funktioniert eher symbolisch als logisch. Millar neigt außerdem zu Überzeichnung. Einige Schockmomente wirken kalkuliert und verlieren dadurch an langfristiger Wirkung. Gewalt wird zwar nicht glorifiziert, aber manchmal instrumentalisiert, um schnell Emotionen zu erzeugen. Nebenfiguren sind oft Mittel zum Zweck und werden rasch geopfert, ohne nachhaltige emotionale Konsequenzen. Strukturell ist der Comic teilweise episodisch. Der Mittelteil zieht sich, weil klar ist, dass die Eskalation unausweichlich ist. Überraschungen sind rar, das Finale konsequent, aber vorhersehbar. Subtilität wird zugunsten von Wucht geopfert.

- Struktur und Gesamtaufbau-

4/5


FAZIT

„Wolverine: Old Man Logan“ ist ein harter, kompromissloser Comic, der sich klar vom klassischen Superheldengenre absetzt. Seine größte Stärke liegt in Atmosphäre, Stimmung und der psychologischen Darstellung eines gebrochenen Helden. Inhaltlich bleibt er jedoch oft an der Oberfläche und verzichtet auf tiefere Analyse zugunsten emotionaler Wirkung. Kein philosophisches Meisterwerk, aber ein sehr wirkungsvoller, düsterer Comic, der zeigt, was passiert, wenn Mythen sterben. Wer Tiefe im Inneren einer Figur sucht, wird fündig. Wer ein ausgefeiltes dystopisches Weltenmodell erwartet, eher nicht.

-Insgesamt-

4,4/5

TITELBLATT (Front-Cover)

RÜCKSEITE (Back-Cover)

INNENSEITE (Inner-Page)







Positiv

Negativ

Düstere Atmosphäre

Episodenhafte Struktur

Konsequente Tonalität

schwache Nebenfiguren

Starke Bildsprache


Mutige Endzeitvision




SPEZIFIKATIONEN

Produktart:

Comic

Titel:

Wolverine: Old Man Logan

Originaltitel:

Wolverine (2023) 66-72; Wolverine: Old Man Logan Gigant-Size (2009) 1

Heftnummer:

#0

Edition:

Sammelband (panini Pocket)

Sprache(n):

Deutsch

Verlag:

Panini

Auflage:

  1. Auflage

Erscheinungsdatum:

30/06/2025

ISBN / GTIN:

978-374-164-309-5

Herkunftsland:

Deutschland

Altersfreigabe:

FSK 16

Seitenzahl:

228

Einband:

Softcover

Bindung:

Klebebindung

Format:

14.8 x 1.6 x 22.8 cm

Abbildungen:

Farbe

Autor und Zeichner:

Mark Millar, Steve Mcniven


Link zum Comic




Dieser Artikel wurde von Wulfrik’s Reviews in Luxemburg veröffentlicht.

Der Autor ist Melmer Steve, und die Informationen stammen von Panini Comics Deutschland.

Die Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt von Panini Comics Deutschland.


Der Text ist unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 DEED verfügbar. Nutzungsrechte können über luxorr a.s.b.l. (Luxembourg Organisation For Reproduction Rights) unter https://www.luxorr.lu/ bezogen werden.


Sofern nicht anders angegeben, gehören alle Titelblätter, Buch- und Comic-Auszüge, Zeichnungen, Werbebilder, Film- und Spiel-Standbilder, Fotografien, Logos und/oder deren Teile sowie registrierte Marken den entsprechenden Rechteinhabern. Alle Abbildungen in diesem Artikel dienen ausschließlich Identifikationszwecken. Soweit möglich, wurden für alle Texte und Abbildungen Content- und Abdruckgenehmigungen eingeholt.

Kommentare


bottom of page